Männercoaching

"Wann ist ein Mann ein Mann?" So ruft es Herbert Grönemeyer seit 1984 mit hoher Stimme ins Gesangsmikro. Alte patriarchale Schablonen der Männlichkeit wie die des Kriegers oder die des Beschützers haben eigentlich ausgedient, werden aber dennoch immer wieder neu belebt und gefordert. Die Infragestellung der patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die Auflösung binären Geschlechtsdenkens, machen dem Mann andererseits neue Rollen- und Verhaltensangebote, deren Wahrnehmung sich Männer aber erst einmal erschließen müssen. Der sich verändernde Rahmen verunsichert. Diese Verunsicherung macht sich an verschiedenen Stellen bemerkbar, vor allem aber häufig in Sexualität, Partnerschaft und Beruf.

Ein immer wieder zentral auftauchender Aspekt ist die Frage nach der Durchsetzung des Eigenen: Wie findet der Mann ein positives Verhältnis zu seiner Durchsetzungskraft? Wann ist sie als ein unzulässiges Überschreiten der Grenzen anderer, als Gewalt anzusehen? Wie sehr lässt Mann aber auch das Überschreiten der eigenen Grenzen zu, weil die Durchsetzung des Eigenen für den modernen Mann als negativ, als unzulässige Aggression bewertet wird?

Männer brauchen nach meiner Erfahrung ihren eigenen Raum mit einem gleichgeschlechtlichen Gegenüber, in dem sie ihren eigenen Standort innerhalb der widersprüchlichen Rollenerwartungen finden können. Denn unter Männern ist es eher möglich, ohne Zensur zwischen verschiedenen gleichwertigen Formen von Männlichkeit zu differenzieren.